Anekdote
Ich bin Daniel Chluba, Aktions- und Performancekünstler. Geboren in Berlin-Neukölln, aufgewachsen in Berlin-Marienfelde. In der 8. Klasse habe ich angefangen, nur monochrom rote Sachen zu tragen. Davor habe ich einen Tag lang versucht, nur weiße Klamotten anzuziehen, das hat aber überhaupt keinen Spaß gemacht, weil die Sachen sofort dreckig wurden.
Die ersten Aktionen fanden während der Schulzeit statt, ohne dass ich wusste, dass es Aktionen waren. Aka Chefspatz und ich sind gerne durch Berlin gezogen und haben Sprüche mit Kreide auf die Straße geschrieben. Einmal haben wir den Bahnhof Lichterfelde Ost bemalt. Auf dem Heimweg hat uns die Polizei den Weg abgeschnitten und gefragt, ob wir den Bahnhof zugebombt hätten. Chefspatz meinte sofort: „Nein!“, obwohl sein schwarzer Mantel ganz weiß von der Kreide war. Die Polizei hat uns dann aufgefordert, die Kreide wegzuputzen. Sie hat sich zudem beschwert, dass wir „Petersielienkartoffel“ mit ie geschrieben haben.
Bei einer anderen Aktion hat sich aka Chefspatz vor unsere Schule gelegt und wir, Eike war auch dabei, haben seinen Umriss mit Farbe nachgemalt und dazugeschrieben: „Das Opfer des Systems“.
Als Nächstes haben wir ein Gedicht von aka Chefspatz auf den Potsdamer Platz geklebt. Wir hatten 184 WOM Journale besorgt, die wir zu Buchstaben gerissen haben. Aus einem ganzen Journal zum Beispiel ein A. Es hat sehr lange gedauert, bis die Buchstaben der Wörter gerissen waren, und nachdem wir die erste Strophe fertig hatten, wurden wir vertrieben. In welcher Reihenfolge die drei Aktionen stattfanden, weiß ich nicht mehr.
Nach meinem Fachabitur in Bekleidungstechnik und Mode studierte ich Kunst an der Universität der Künste Berlin, in der Klasse von Christiane Möbus. Ein Semester war ich als Gaststudent in Wien, in der Klasse von Monica Bonvicini.
Während des Studiums dachte ich, dass ich Bildhauer bin, aber die meisten Skulpturen endeten dann doch in einer Performance, wie zum Beispiel bei „Fountain“ oder dem „Dixicuzzi“. „Fountain“ ist ein Weinbrunnen, gebaut aus Tetra-Pak-Wein namens Domkellerstolz. Ich dachte, es sei eine Brunnenskulptur, aber es wurde eine Weinsauf-Performance.
Während der Unizeit betrieben Elisophie Eulenburg, Anton Theileis und ich den mobilen Projektraum namens Dixiland.org von 2009 bis 2015 – die kleinste Galerie Berlins. Sie bestand aus zwei Dixitoiletten, außen im Originalzustand, innen zu einem White Cube ausgebaut. Ein parasitärer Ausstellungsraum, der überall in der Stadt im öffentlichen Raum vor anderen Events stehen konnte. Im Winter baute ich die Galerie in das „Dixicuzzi“ um, eine Wellness-Skulptur.
2012 bekam ich den Meisterschüler der UdK.
2013 war ich Teil der Online-Petition „wirwollennichtzurdocumenta14.de“, eine Petition gegen den heiligen „documenta“-Dinosaurier. Zum Superkunstjahr 2017 organisierten wir, die Anhänger der Petition, eine Ausstellung in Ulaanbaatar, ein Happening in Berlin und eine Ufo-Ausstellung in einem Dorf, das Kassel hieß. Da erschien es mir logisch, auch 2022 zur „documenta fifteen“ ein paar „Ein-Mann-Demos“ zu machen, diesmal aber im richtigen Kassel.
Von 2016 bis 2018 hatten Lukas Julius Keijser und ich eine intensive Kollaboration. Lukas ist ein herausragender Künstler, Performer und Siebdrucker. Wir haben 13 Performances und 8 geile Arbeiten realisiert. Bei „#LIEBEMITUNS“ beispielsweise verkauften wir am Valentinstag auf dem Alexanderplatz herzförmige Luftballons mit Sprüchen wie „FÜR MEINEN WUTBÜRGER“ oder „FÜR MEIN SMARTPHONE OPFER“. Zudem tätowierten wir Menschen auf einem Festival mit „#ANTITATTOO“s wie „JUSTIN BIEBER IS MY SPIRITUAL SISTER“.
2020 veröffentlichte ich bei AAAAA PPPPP Publishing das Lehrmaterial „Listen“. In dem Heft geht es darum, wie man durch Listen-Denken Bisoziationen erzeugen kann. Eine Kreativitätstechnik, um auf neue Ideen zu kommen.
Kunst zu erklären, ist doch furchtbar.