Über mich

Daniel Chluba

Ich bin Daniel Chluba, Aktions- und Performancekünstler. Geboren und aufgewachsen in Berlin-Marienfelde. Seit der 8. Klasse trage ich Rot.

Artist Statements

Ich bin Daniel, aus Berlin, für immer 29 Jahre alt. Ich habe Kunst in Wien und Berlin studiert.

Ich liebe es kleine, leise Arbeiten zu produzieren, die den Betrachtern und Betrachterinnen zum Nachdenken anregen. Alle meine Performances sind wunderschön, unschuldig, naiv und rein. Ich verachte Künstlerinnen und Künstler die einen Hang zum Superstar-Gestus haben. Ich hasse laute, schrille und plumpe Kunst.

Meine künstlerische Philosophie ist einfach: Ich arbeite stur, die von mir festgelegten Konzepte ab. Alles ist immer bis in kleinste Detail geplant. Es gibt nie Spontanität. Ich arbeite von montags bis freitags von 8 Uhr bis 17 Uhr und um 13:37 Uhr bis 14:40 Uhr mache ich täglich eine Mittagspause.

Kreativität ist der Feind der Kunst. Ich arbeite ohne Ideen, ohne Fantasie. Wer braucht das schon?

Mein einziger Einfluss ist Instagram. Meine Filterblase ist meine Muse. Meine Aktionen und Performances sind eine Eins-zu-Eins-Übertragung des personalisierten Rauschens meiner Blase. Eine unablässige autopoietische Feedbackschleife. Meine Filterblase ist schöner als deine!

Dank der künstlichen Intelligenz brauche ich bald nicht mal mehr Instagram. Ich bin kein Neo-Dadaist!

Anekdote

Ich bin Daniel Chluba, Aktions- und Performancekünstler. Geboren und aufgewachsen bin ich in Berlin-Marienfelde. In der 8. Klasse habe ich angefangen, nur monochrom rote Sachen zu tragen. Davor habe ich einen Tag lang versucht, nur weiße Klamotten anzuziehen, das hat aber überhaupt keinen Spaß gemacht, weil die Sachen sofort dreckig wurden.

Die ersten Aktionen fanden während der Schulzeit statt, ohne dass ich wusste, dass es Aktionen waren. Aka Chefspatz und ich sind gerne durch Berlin gezogen und haben Sprüche mit Kreide auf die Straße geschrieben. Einmal haben wir den Bahnhof Lichterfelde Ost bemalt. Auf dem Heimweg hat uns die Polizei den Weg abgeschnitten und gefragt, ob wir den Bahnhof zugebombt hätten. Chefspatz meinte sofort: „Nein!“, obwohl sein schwarzer Mantel ganz weiß von der Kreide war. Die Polizei hat uns dann aufgefordert, die Kreide wegzuputzen. Sie hat sich zudem beschwert, dass wir „Petersielienkartoffel“ mit ie geschrieben haben.

Bei einer anderen Aktion hat sich aka Chefspatz vor unsere Schule gelegt und wir, Eike war auch dabei, haben seinen Umriss mit Farbe nachgemalt und dazugeschrieben: „Das Opfer des Systems“.

Als Nächstes haben wir ein Gedicht von aka Chefspatz auf den Potsdamer Platz geklebt. Wir hatten 184 WOM Journale besorgt, die wir zu Buchstaben gerissen haben. Aus einem ganzen Journal zum Beispiel ein A. Es hat sehr lange gedauert, bis die Buchstaben der Wörter gerissen waren, und nachdem wir die erste Strophe fertig hatten, wurden wir vertrieben. In welcher Reihenfolge die drei Aktionen stattfanden, weiß ich nicht mehr.

Nach meinem Fachabitur in Bekleidungstechnik und Mode studierte ich Kunst an der Universität der Künste Berlin, in der Klasse von Christiane Möbus. Ein Semester war ich als Gaststudent in Wien, in der Klasse von Monica Bonvicini.

Während des Studiums dachte ich, dass ich Bildhauer bin, aber die meisten Skulpturen endeten dann doch in einer Performance, wie zum Beispiel bei „Fountain“ oder dem „Dixicuzzi“. „Fountain“ ist ein Weinbrunnen, gebaut aus Tetra-Pak-Wein namens Domkellerstolz. Ich dachte, es sei eine Brunnenskulptur, aber es wurde eine Weinsauf-Performance.

Während der Unizeit betrieben Elisophie Eulenburg, Anton Theileis und ich den mobilen Projektraum namens Dixiland.org von 2009 bis 2015 – die kleinste Galerie Berlins. Sie bestand aus zwei Dixitoiletten, außen im Originalzustand, innen zu einem White Cube ausgebaut. Ein parasitärer Ausstellungsraum, der überall in der Stadt im öffentlichen Raum vor anderen Events stehen konnte. Im Winter baute ich die Galerie in das „Dixicuzzi“ um, eine Wellness-Skulptur.

2012 bekam ich den Meisterschüler der UdK.

2013 war ich Teil der Online-Petition „wirwollennichtzurdocumenta14.de“, eine Petition gegen den heiligen „documenta“-Dinosaurier. Zum Superkunstjahr 2017 organisierten wir, die Anhänger der Petition, eine Ausstellung in Ulaanbaatar, ein Happening in Berlin und eine Ufo-Ausstellung in einem Dorf, das Kassel hieß. Da erschien es mir logisch, auch 2022 zur „documenta fifteen“ ein paar „Ein-Mann-Demos“ zu machen, diesmal aber im richtigen Kassel.

Alles, was ich allein, siehe Danksagung, in der Zeit von 2015 bis 2023 gemacht habe, steht in diesem Katalog und muss hier nicht wiederholt werden.

Von 2016 bis 2018 hatten Lukas Julius Keijser und ich eine intensive Kollaboration. Lukas ist ein herausragender Künstler, Performer und Siebdrucker. Wir haben 13 Performances und 8 geile Arbeiten realisiert. Bei „#LIEBEMITUNS“ beispielsweise verkauften wir am Valentinstag auf dem Alexanderplatz herzförmige Luftballons mit Sprüchen wie „FÜR MEINEN WUTBÜRGER“ oder „FÜR MEIN SMARTPHONE OPFER“. Zudem tätowierten wir Menschen auf einem Festival mit „#ANTITATTOO“s wie „JUSTIN BIEBER IS MY SPIRITUAL SISTER“.

2020 veröffentlichte ich bei AAAAA PPPPP Publishing das Lehrmaterial „Listen“. In dem Heft geht es darum, wie man durch Listen-Denken Bisoziationen erzeugen kann. Eine Kreativitätstechnik, um auf neue Ideen zu kommen.

Für das Jahr 2024 stehen folgende Dinge auf der To-do-Liste:
die Verfilmung eines Albtraums,
die Lecture Performance über das Wort „ASSI“.
Nicht auf der To-do-Liste steht, ein Artist Statement zu schreiben.

Kunst zu erklären, ist doch furchtbar.

Warum trägst du Rot?

Die verhasste Frage: „Warum trägst du Rot?“ langweilt mich. Also bin ich mal devot und sage etwas dazu.

Seit der 8. Klasse trage ich nur rote Kleidung.

Die Frage, warum ich Rot trage, habe ich als Schüler damit beantwortet: „um Mädchen kennenzulernen“. Heute müsste ich sagen: „um Frauen kennenzulernen“. Jahre später, mit der Erfindung der Dating-Apps, habe ich gemerkt, dass dieses Konzept super funktioniert.

Oder ich erzähle die Geschichte, wie ich in der Oberschule vor der Wahl stand, ob ich Proll oder Freak werde, weil es an meiner Schule nur diese beiden Kategorien gab und ich mich schließlich für den Proll entschied.

Oder ich erzähle die Geschichte, dass die roten Klamotten eine Reaktion auf mein Schultrauma sind. Ich war und bin Legastheniker und wurde einfach durch die Schule geschleift. Kein Erwachsener hat sich des Problems angenommen und mir geholfen. Ich wollte nicht der Typ sein, der nicht Lesen und nicht Schreiben kann. Der rote Typ, war da die lustigere Variante. Es war eine mega Ablenkungsshow, die den Hass aller Schüler auf mich zog, was mich damals sehr erheiterte. Jetzt, Jahre später, traf ich eine ehemalige Mitschülerin aus meiner Klasse am Bahnhof. Als sie mich wiedersah, entglitt ihr das Gesicht und sie konnte es nicht fassen, dass ich immer noch Rot trug. Das Unverständnis reicht noch bis Heute und führt dazu, dass ich bei Klassentreffen nicht eingeladen werde. Das macht mich stolz und traurig zu gleich.

Andere oft gestellte Fragen sind: “Sind deine Socken auch rot?”, “Ist deine Unterwäsche auch rot?”, und “Ist Rot deine Lieblingsfarbe?”